Das Spiel von Licht und Farben

Robert Delaunay, Fenêtres sur la ville, 1914


VIII.

Mit seinen Fenêtres (Fensterbilder), die ab 1912 entstanden, inspirierte der französische Maler Robert Delaunay die beiden Künstlerfreunde August Macke und Franz Marc ganz entscheidend zu ihrem Schaffensprozess in den Jahren 1912 bis 1914. Die drei Künstler der deutsch-französischen Avantgarde pflegten in den wenigen Jahren ihres Austausches einen produktiven und in Teilen, besonders zwischen Marc und Delaunay, kritisch-lebendigen Dialog. Die Auseinandersetzung mit dem Werk Robert Delaunays führte auch dazu, dass August Macke mehr und mehr auf Abstand zu den kunsttheoretischen Ansichten des Blauen Reiters ging, was zu Spannungen in der Freundschaft mit Franz Marc führte. Für ihren Künstlerkollegen Paul Klee gingen von den Bilder- und Farbwelten Robert Delaunays ebenfalls wichtige ideengebende Impulse aus, die sein bildnerisches Schaffen prägten und beeinflussten.

Von seinem Atelier aus hatte Robert Delaunay eine Aussicht auf den Eiffelturm. In seinen Fenêtres lässt er den Betrachter durch eine Fensterscheibe sehen, durch die „sich das Licht in farbigen Prismen reflektierend bricht.“1 Der Eiffelturm wird in diesem lebendigen Spiel  von Licht und Farben nur noch als grün-bläuliche Silhouette wahrgenommen. Franz Marc schreibt nach einem Besuch in Delaunays Pariser Atelier im Oktober 1912 an Wassily Kandinsky: „Er arbeitet sich zu wirklich konstruktiven Bildern durch, ohne jede Gegenständlichkeit, man könnte sagen: rein klangliche Fugen.“

Die dunkle Natur der Farbe, ihre hohe gesättigte Qualität ist das, wodurch sie den ernsthaften und zugleich reizenden Eindruck hervorbringt, und indem man sie als eine Bedingung des Lichtes ansehen kann, so kann sie auch das Licht nicht entbehren als der mitwirkenden Ursache ihrer Erscheinung, als der Unterlage ihres Erscheinens, als einer aufscheinenden und die Farbe manifestirenden Gewalt.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 bis 1832)
Naturwissenschaftliche Schriften. Zur Farbenlehre, 1808






Anmerkungen:
1 Friedel, Helmut; Hoberg, Annegret: Der Blaue Reiter im Lenbachhaus München. Prestel Verlag, 2007

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s