Fidele Maskerade im Blauen Land

Maria Marc, Nächtlicher Mummenschanz, um 1911


Eine dunkle, frostig kalte Winternacht bietet die Bühne für ein unheimliches Spektakel, das in den frühen Morgenstunden, wenn alles noch in den warmen Betten schläft, seinen Anfang nimmt: der nächtliche Mummenschanz! Schlag vier Uhr Früh beginnt der Morgenstreich, ertönen die Pfeifen und Trommeln und die Schellenträger setzen sich mit ihren kunstvoll geschnitzten Larven (Masken) in Bewegung. Von hellem Fackelschein begleitet, stapfen sie in der Dunkelheit durch das tief verschneite Tal und treiben lauthals ihre Fastnachtsspäße. 

Diese Szene, von Maria Marc um 1911 als Nächtlicher Mummenschanz festgehalten, erinnert sehr an die Basler Fastnacht, eines der besonderen Narrenspektakel im alemannischen Raum. In ihrem Bild lässt Maria Marc eine vergnügliche Szene in der Tradition der Fastnacht wieder lebendig werden, mit originell kostümierten Figuren und phantasievollen Masken, die sie aber nur abstrahiert andeutet. „Die originelle, vergnügliche Darstellung ist sowohl in der Komposition als auch in der lebhaften Farbigkeit der Figuren die sich in Dunkelheit und Schnee voran bewegen, charakteristisch für die bedeutende Phase der Entstehung des Blauen Reiters, die unmittelbar mit den gemeinsamen Vorbereitungsschritten in Murnau verbunden war.“, so das Schlossmuseum Murnau über das großformatige Gemälde Maria Marcs, das dort ausgestellt ist.  

Inspiriert vom nächtlichen und alemannischen Fastnachtstreiben erinnerte ich mich daran, dass Franz Marcs Mutter Sophie im Elsass geboren wurde und in der französischen Schweiz aufwuchs. So konnte mit Sicherheit Franz Marc die eine oder andere kulinarische Köstlichkeit aus der Heimat seiner Mutter genießen. Besonders bei süßen Gebäck und Kuchen wird Franz Marc nicht widerstanden haben. Ob er den mürben Merveilles mit ihren feinen Orangenaroma oder doch lieber den Badischen Scherben, die sich hier als Glückskekse aus dem Blauen Land ausprobieren, den Vorzug geben würde? Jedenfalls schmecken sie bestimmt nicht nur an Fastnacht, sondern auch noch an kühlen Frühlingstagen, z.B. mit einer großen Schale Kompott oder heißen Himbeeren mit Vanilleeis.

Merveilles
Das feine französisches Gebäck schmeckt auch ohne Mummenschanz


Zutaten
400 g Weizenmehl
100 g Butter
75 g Puderzucker
3 Eier
1 Prise Salz
3 EL Orangenlikör
1 EL geriebene Orangenschale (kleine Bio Orange)
Butterschmalz oder neutrales Pflanzenöl zum Frittieren 
Puderzucker zum Bestäuben

Die Butter mit dem Puderzucker schaumig schlagen und die Orangenschale beigeben. Zu der Masse nach und nach die Eier einarbeiten und den Orangenlikör sowie die Prise Salz kurz unterrühren. Das Mehl langsam beigeben und zu einem geschmeidigen Teig kneten und diesen in Frischhaltefolie eingewickelt für eine Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. 

Den Teig aus dem Kühlschrank nehmen und dünn ausrollen. Rauten mit einer Länge von ca. 6 cm ausschneiden und im heißen Fett (z.B. Butterschmalz oder neutrales Pflanzenöl) goldgelb ausbacken. Die fertigen Merveilles auf Küchenpapier abtropfen lassen und noch lauwarm mit Puderzucker bestäuben und servieren.  

Badische Scherben oder auch
Glückskekse aus dem Blauen Land
Traditionelles Fastnachtsgebäck, das auch im Elsass sehr beliebt ist

Zutaten
400 g Weizenmehl 
100 g zerlassene, lauwarme Butter
1 Vanilleschote (der Länge nach halbieren und das Mark auskratzen)
2 Eier
1 Eigelb
1 Prise Salz 
125 ml gutes Kirschwasser
Butterschmalz oder Pflanzenöl zum Frittieren 
Zimt und Zucker oder Puderzucker zum Wälzen

Die Butter langsam schmelzen. Die Eier mit dem Eigelb gut verrühren und die lauwarme Butter untermischen. Das Kirschwasser und die Prise Salz beifügen und alles noch einmal gut vermengen. Anschließend das Mehl portionsweise einarbeiten und zu einem glatten Teig kneten. Den Teig ebenfalls für eine Stunde in Frischhaltefolie verpackt in den Kühlschrank stellen. 

Den Teig aus dem Kühlschrank nehmen und auf einer bemehlten Unterlage kurz durchkneten. Den Teig sehr dünn ausrollen und für die Glückskekse aus dem Blauen Land mit einer Plätzchenform Dreiecke ausstechen oder für klassische Badische Scherben größere Rechtecke ausschneiden und diese in heißem Fett (Butterschmalz oder neutrales Pflanzenöl) goldbraun herausbacken. Aus dem Fett nehmen, auf dem Küchenpapier abtropfen lassen und sofort in einer Mischung aus Zucker und Zimt wälzen oder mit Puderzucker bestäuben. Warm serviert schmecken die Glückskekse bzw. die Scherben am Besten. 

Den Närrinnen und Narren reicht man dazu eine große Tasse Milchkaffee oder heiße Schokolade. 

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