Der ewige Spießer

Szenenkaleidoskop in drei Teilen von Michael Stacheder
nach dem gleichnamigen Roman von Ödön von Horváth

Inszenierung für das Theater für Niedersachsen Hildesheim
Uraufführung September 2024

Die Aufführungsrechte liegen beim Drei Masken Verlag München.

#tfnspießer


Man wirft mir vor, ich sei zu derb,
zu ekelhaft, zu unheimlich, zu zynisch
und was es dergleichen noch an soliden,
gediegenden Eigenschaften gibt –
und man übersieht dabei,
dass ich doch kein anderes Bestreben habe,
als die Welt zu schildern, wie sie halt leider ist.

Ödön von Horváth

München, 1929. Die Weltwirtschaftskrise beherrscht den Alltag. In satirischen Skizzen lernen wir verschiedene Beispiele des Typus Spießer kennen – laut Horváth immer angepasst, immer egoistisch handelnd. Wie zum Beispiel Alfons Kobler, ein nicht gerade sympathischer Autoverkäufer, der sein mehr oder weniger ergaunertes Geld in eine Reise nach Barcelona investiert, um sich dort eine reiche Frau zu angeln; Anna Pollinger, eine arbeitslose Näherin und ehemalige Geliebte Koblers, die irgendwann beschließt, »praktisch« zu werden und sich für Liebesdienste nur noch bezahlen zu lassen; der arbeitslose Josef Reithofer, der zwar auch ein »Mistvieh« ist, aber trotzdem etwas Gutes tun will. Sie alle vereint, dass sie sich irgendwie »durchwurschteln« und anpassen an eine Welt, in der Menschlichkeit neben Profitgier, Ansehen und Erfolgswahn nur noch eine untergeordnete Rolle spielt.

Horváths erster Roman aus dem Jahr 1930 strotzt nur so vor Ironie, was schon im Untertitel »erbaulicher Roman« sichtbar wird. Der durch Stücke wie Geschichten aus dem Wiener WaldKasimir und Karoline oder Glaube Liebe Hoffnung weltberühmt gewordene Autor zeichnet episodenhaft, pointiert und klug ein schillerndes und eindrückliches Bild eines Menschentypus, nach dem man auch in heutigen Zeiten nicht lange suchen muss. (Aus dem Pressetext von Theater für Niedersachsen Hildesheim)


Szenenbilder »Der ewige Spießer«, Fotoprobe 20.8.2024 © Clemens Heidrich


Trailer



Pressestimmen

»Ein politisches Ausrufezeichen zum Start in die neue Theatersaison! (…) Horváths Roman erzählt keine durchgängige Geschichte, sondern reiht einzelne Schicksale aneinander, die nur lose miteinander verbunden sind. Regisseur Stacheder behält dieses Prinzip bei. So erlebt das Publikum eine Parade verkrachter Existenzen, die mit allen Mitteln versuchen, den Kopf über Wasser zu halten. (…) In dieser Gemengelage scheinen immer wieder Judenhass und Faschismus durch – mit geradezu hellsichtigen Aussagen über das Europa von heute (…) Irgendwie dreht sich alles im Kreis – wie auch der abstrakte Kubus, den Moni Gora ebenso wie die Kostüme entworfen hat. Immer wieder rotiert das lange, abstrakte Gebilde um die eigene Achse, und die Menschen darin müssen aufpassen, nicht herunterzufallen und unter die Räder zu geraten. (…) Das sind starke Bilder (…) Alle sieben [Ensemblemitglieder] schlüpfen souverän in unterschiedlichste Rollen und erwecken die vielen Figuren mit starken schauspielerischen Leistungen zum Leben. Man mag niemanden hervorheben – es ist einfach eine beeindruckende Teamleistung.« (Hildesheimer Anzeiger)

»Der ewige Spießer – ein Spiegel der Gesellschaft von gestern und heute.«
(Braunschweiger Zeitung)

»Opportunismus und Oberflächlichkeit, Selbstgerechtigkeit und Habgier – im Kern bleibt der Spießer sich immer gleich, und so lässt sich Ödön von Hor­vaths Ewiger Spießer in der Theater­fassung von Michael Stacheder mühelos in die Gegenwart transferieren. Das En­semble des TFN (Theater für Nieder­sachsen) ließ die trostlosen Figuren einer unsicheren Zeit lebendig werden, absto­ßend und bemitleidenswert zugleich und dabei bestürzend echt. (…) Mit schrillen Kostümen und der brillanten Visualisierung verzweifelter Laszivität übertreffen sich hier die Schauspieler und Kostümbildnerin Moni Gora gegenseitig. (…) Der ganze Beziehungsreigen zeigt, wie die Men­schen sich immer nur um sich selbst drehen, ebenso wie das brillante Büh­nenbild eines rotierenden Glaskastens, der zu all den wechselnden Handlungs­orten wird und die verlorenen Menschen einsammelt und wieder ausspeit. Ein­drucksvoll führt das Ensemble des TFN vor, wie die ewige Suche nach dem Anderen und noch Besseren immer nur zu noch mehr Einsamkeit führt. Wie Angst und Verunsicherung die entwurzelten Menschen auf der Suche nach dem Heil zer­fressen, sie zerstören und zu Raubtieren machen, weil ihr Blick immer nur auf sich selber ruht und sie deshalb keine Visionen solidarischen Miteinanders erzeugen können.« (Weser-Kurier)

» … eine klug-kurzweilige Inszenierung der von Horváth gut beobachteten, entlarvenden Episoden (…) Das alles wird mal derb-humorvoll, mal böse erzählt. Und immer klingt ein zartbitterer Ton mit« (Leine-Deister-Zeitung)


Regie Michael Stacheder
Bühne und Kostüme Moni Gora
Dramaturgie Cornelia Pook und Maren Simoneit

Regieassistenz Jana Christina Lindner

Mit Nina Carolin, Camila Cordero, Simone Mende, Manuel Klein, Ole Riebesell, Martin Schwartengräber und Daniele Veterale

Premiere am 1. September 2024
Großes Haus, Theater für Niedersachsen Hildesheim
Spielzeit 2024/25